Traditionell steht das erste Septemberwochenende im Zeichen des Antikriegstages. In Stukenbrock, wo im Stalag 326 zwischen 1941 und 1945 ca. 65.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion zu Tode geschunden wurden, wird ebenfalls der Toten gedacht. In ganz Ostwestfalen-Lippe ist die Geschichte des Lagers und seiner Befreiung durch dort internierte Gefangene ein wichtiger Anlass des Gedenkens und der Mahnung. Auch mehr als 70 Jahre später gilt es, Lehren aus dieser Geschichte zu ziehen um gegen Faschismus und Krieg heute vorzugehen.

Nahe der Gedenkstätte findet deshalb jedes Jahr, neben der Gedenkveranstaltung, das Antifaworkcamp statt. Anfangs ins Leben gerufen, um den Friedhof und das Gedenken vor Übergriffen zu schützen, treffen sich dort nun Jugendliche aus ganz NRW und anderswo zu antifaschistischer Arbeit. Dieses Jahr zählte das Camp mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es wurde von einem Bündnis der SDAJ, den Gewerkschaften und der Landesschülervertretung organisiert und beinhaltete Angebote und Workshops verschiedener Art. Ulrich Schneider (VVN-BDA) und der Enkel des Antifaschisten und Widerstandskämpfers Peter Gingold lasen aus dessen Biographie, in zwei Argumentationstrainings wurden rhetorische Strategien gegen Rechte Parolen und Verschwörungstheorien erarbeitet, außerdem zählten zwei Filme zum Programm. Ein wichtiger Aspekt des Camps ist dessen Selbstverwaltung. Jeder und Jede packt mit an. Zusammen wird auf- und abgebaut, gekocht und geputzt, diskutiert und gestritten, gesungen und gelacht. Das Camp war in der Gedenkveranstaltung mit einem Redebeitrag vertreten, der sich mit dem Zusammenhang von Faschismus und Kapital auseinandersetzte und unter anderem zeigen sollte, wie Gefangene des Lagers als Zwangsarbeiter in die örtlichen Betriebe und auf die örtlichen Höfe verteilt wurden um der deutschen Kriegsmaschine und ihren Eigentümern als billige Arbeitskräfte zu dienen.

Damals wie heute gilt das Wort derer die an diesem Ort gelitten haben und gestorben sind:

„Und sorget ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.“

Es ist nicht mehr lang hin, bis vom 01. bis 03. September endlich das Antifa Workcamp 2017 in Stukenbrock stattfinden wird.

Rechtsruck und Kriegspolitik stoppen! Der Rassismus in Deutschland und Europa verbreitet sich mehr und mehr. Staaten rüsten militärisch auf und auch Deutschland beteiligt sich an immer mehr Kriegen. Deswegen ist das Erinnern und Lernen aus der Zeit des Faschismus notwendiger denn je.

Aus der Vergangenheit lernen! In dem Kriegsgefangenenlager in Stukenbrock wurden während der NS-Zeit über 300.000 Menschen ausgebeutet und gequält. Sie dienten der örtlichen Industrie als Arbeitssklaven. 65.000 Menschen sind in diesem Lager durch Schwerstarbeit und Hunger getötet worden.

Kommt nach Stukenbrock! Gemeinsam wollen wir uns damit beschäftigen was im faschistischen Deutschland während des 2.Weltkriegs passiert ist und überlegen, was wir heute gegen Rassismus und Krieg tun können.

 

Das Programm:

Es gibt viele verschiedene Workshops, an denen ihr teilnehmen könnt. Hier ein paar Beispiele.

Am Samstag Nachmittag besuchen wir gemeinsam die Gedenkveranstaltung auf dem ehemaligen Lager.

Lücken in unseren Geschichtsbüchern: Wir schauen uns Widerstand gegen den Faschismus an, über den nicht viel gesprochen wird und gehen der Frage auf den Grund, warum in unseren Schulen ein so großes Lager wie das Stalag 326 kaum Erwähnung findet.

Verschwörungstheorien: Ob durch Ken Jebsen oder Jürgen Elsässer –  Verschwörungstheorien sind auf dem Vormarsch. Die Verfechter der meist sehr absurden Theorien lassen sich inhaltlich rechten Bewegungen zuordnen und treten mitunter offen antisemitisch auf. Ihre Theorien, die Frage wieso den Quatsch überhaupt jemand glaubt und was man entgegnen kann, wollen wir in diesem Worshop diskutieren.

Antifaschismus –  Aber wie?: Wir beschäftigen uns damit, wie wir antifaschistische Positionen in der Gesellschaft verankern und unser politisches Handeln nachhaltig gestalten können.

Erkenne deinen Feind: Wir schauen uns rechte Bewegungen und ihre Symbolik an und betrachten dabei auch türkische Faschisten in Deutschland.

Rechtsruck in Europa: In immer mehr Ländern der EU gewinnen rechte Parteien und Bewegungen an Macht – beispielsweise die Front National in Frankreich oder die AfD in Deutschland. Wieso das so ist und was man rechten Parteien entgegen setzen kann lernen wir in diesem Workshop.

Kein Fuss breit den Faschisten – Demo & Blockade 1×1: Was gilt es bei Demonstrationen und Blockaden immer zu beachten und was ist im Notfall zu tun? Auf theoretische und praktische Weise bereiten wir uns vor.

Argumentationstraining gegen rechte Parolen: „Flüchtlinge nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“  In diesem Workshop lernst du dich gegen solche und andere Parolen zu verteidigen und die Argumentationsmuster von Nazis zu durchschauen.

Das Lager Stalag 326: Was geschah in Stukenbrock? Was war besonders an dem Lager? Und warum gibt es heute die Veranstaltung „Blumen für Stukenbrock“ ?

 

Anfahrt:

Sennerstr.,Schloss Holte Stukenbrock, 33758 Stukenbrock

Von der A33 Abfahrt Nr23, Stukenbrock/Senne, auf die Paderborner Str. Richtung Oerlinghausen/Bielefeld. Nach kurzer Zeit rechts in den Lippstädter Weg. Im Ort nach rechts zum Friedhof.

Öffentliche Verkehrsmittel

Vom Bahnhof Schloß-Holte Stukenbrock nehmt ihr die Buslinie 84.1 bis zur Haltestelle „Stukenbrock Polizeischule“. Von dort aus sind es 15 Minuten zu Fuß. Immer geradeaus, den Lippstädter Weg und später die Senner Str. entlang, bis zum Ehrenfriedhof am Jägergrund. Damit ihr nicht so viel tragen müsst, werden Autos zur Bushaltestelle kommen, die euch das Gepäck abnehmen.

Anmeldung:

Wenn ihr am Camp teilnehmen wollt, dann meldet euch bitte per Mail (antifaworkcamp@riseup.net) oder facebook-Nachricht an, damit ihr einen Zeltplatz bekommt und wir die Essenseinkäufe planen können. Falls ihr mit dem Bus oder Shuttle anreisen wollt, dann meldet das auch an.

https://www.facebook.com/antifaworkcamp/

www.blumen-fuer-stukenbrock.de