PRESSEMITTEILUNG der SDAJ Gütersloh:
Am 21. Juli um 13 Uhr wird die SDAJ Gütersloh(Sozialistische-Deutsche-Arbeiterjugend) an der Ecke zur Fichtenstraße, die Hermann-Simon-Str. symbolisch zur Paul-Wulf-Str. umbenennen, um zu zeigen das Anhänger der Rassenhygiene in einer demokratischen Gesellschaft nichts verloren haben.
Hermann Simon war Leiter der heutigen LWL- Klinik in Gütersloh, weswegen die Straße des Hauptgebäudes der Klinik seinen Namen trägt.
Doch entgegen seiner Leistungen als Leitung der Nervenklinik und anderer vermeintlichen Leistungen im medizinischen Bereich steht die Grundlage für wohl einer der schlimmsten faschistischen Verbrechen an der Menschheit. Durch das Begründen des „Personenkreises Minderwertiger“ legte Simon die Grundlage für die Rassenhygiene und die Euthanasie im 3. Reich. Auf die Frage ob zu Ehren eines solchen Menschen eine Straße benannt sein sollte, können wir als aufgeklärte Menschen nur mit „Nein“ antworten.
Aus diesem Grund wird die SDAJ Gütersloh die Hermann-Simon-Str. zur Paul-Wulf-Str. umbenennen.

Paul Wulf wurde 1932 im jugendlichen Alter von 11 Jahren, in die jugendpsychiatrische „Idiotenanstalt“ nach Marsberg verlegt. Gesunde und „kranke“ Kinder mussten hier unter menschenunwürdigen Bedingungen zusammen leben. Sie waren den Anstalts-„Ärzten“ und ihren „rassen-hygienischen Maßnahmen“ ausgesetzt. Seine Eltern beantragten seine Sterilisation, um ihn vor dem KZ zu bewahren. Nach seiner Entlassung aus der Klinik beteiligte er sich aktiv am Widerstand gegen den Hitler Faschismus. Auch nach 1945 setzte er sich aktiv für Aufklärung über die NS Zeit ein und engagierte sich zuletzt vor seinem Tod 1999, gegen den NATO Angriffskrieg in Jugoslawien.

„Geisteskranke, Idioten und Schwachsinnige, Psychopathen, Nervöse und Schwächlinge, Verbrecher, Säufer und Trottel taugen weder zur Erzeugung, noch zur Heranziehung eines starken und tüchtigen Nachwuchses; sie gefährden mit ihrer Fortpflanzung nur die Zukunft ihres Volkes und verursachen ihm damit nutzlose und schädliche wirtschaftliche und soziale Belastung. Der Staat, will er seine Zukunft nicht in Frage stellen, muss und wird für sich das Recht in Anspruch nehmen, das untüchtige, wertlose und schädliche Erbgut an der Fortpflanzung zu hindern, soweit es nötig ist, auch mit Zwang.“
Dieses Zitat des „aktiven Förderers der nationalsozialistischen Rassenhygiene“ (NW vom 7.3.2012) und Namesgeber einer Gütersloher Straße schlägt aktuell wieder große Wellen. Mehrere Jahre nachdem ein Anlauf zur Umbenennung der Hermann-Simon Straße gescheitert war, wird nun wieder öffentlich über eine Namensänderung diskutiert.

Wir die SDAJ unterstützen diesen Antrag, zur Umbenennung der „Herman-Simon Straße“, weil es nicht sein kann, das Gütersloher Straßen nach Sozialdarwinisten und Faschisten benannt werden und ihnen damit, einen Ehrenplatz in unserer Stadt manifestiert wird.
Es ist die richtige Konsequenz, diese Straße umzubenennen, gerade zur jetzigen Zeit, damit unsere Stadt einen weiteren Schritt in Richtung „Nazifreie Zone Gütersloh“ macht.

Doch wer entscheidet darüber, welche Straßen wie benannt werden?
Das deutsche Bürgertum konnte schon immer aus unverständlichen Gründen, die Verbrechen der Faschisten „verzeihen“ und haben besonders nach der Konterrevolution in der DDR, alles daran gesetzt die deutsche „Leitkultur“ nach faschistischen Vorbildern zu formen. Dazu gehörte es anscheinend auch, Straßen nach Vorbereitern der Rassenhygiene zu benennen.

WIR SAGEN:
Straßen zu benennen nach Vorbereitern der faschistischen Rassenhygiene?
NAMESÄNDERUNG JETZT!

Wie krank die Ideenwelt des „biologistisch-sozialdarwinistisch“ durchsetzten Psychiaters Simon, der die Zwangssterilisation von „Minderwertigen“ und „Ballastexistenzen“ forderte und unterstützte, war zeigt ein weiteres Zitat von 1931: „Es wird wieder gestorben werden müssen. Eine starke Rücksichtnahme auf die Kranken und Schwachen [ist] eine Grausamkeit gegen die Gesunden und Tüchtigen (…).“

Mit solchen faschistischen Aussagen schaffte er die Grundlagen für die spätere Euthanasie im Nationalsozialismus. Ist dies eine Person für Gütersloher Straßenschilder?
Bis weit über die Grenzen Güterslohs hinaus regt sich mittlerweile Widerstand. So vergibt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) seit 2009 den Hermann-Simon-Preis nicht mehr und auch die Krankenhaus- und Gesundheitsabteilung des Landschaftverbandes werde den politischen Gremien empfehlen, den Namen Hermann Simon als Bezeichnung für Institute und Gebäude nicht weiter zu verwenden. (NW)

Wir fordern auch und gerade in Gütersloh endlich zu handeln und den Namen Hermann Simon aus Güterslohs Straßen zu verbannen und durch einen angemessenen Namen zu ersetzen.