Während sich Hal Faber amüsiert, »ebenso kauzig kommt die Nachricht einher, dass im Fall der "Kofferbombenattentäter" eine gelöschte Festplatte einfach nur gespiegelt werden musste, auf dass die gelöschten Daten rekonstruiert werden konnten. Sollte das stimmen, sind Terroristen EDV-Einsteiger, die tatsächlich jeden Link in einer Mail anklicken, die Jungfrauen im Paradies als Preview.exe ankündigt.«, vielleicht mal ein genauerer Blick auf den Link (Hervorhebung durch mich):

Forensikern beim Bundeskriminalamt (BKA) ist es gelungen, die Daten einer gelöschten Festplatte zu rekonstruieren, die im Laptop eines der mutmaßlichen "Kofferbomben-Attentäter" eingebaut war. Die gelöschte Festplatte wurde von den Forensikern zunächst gespiegelt und dann rekonstruiert, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Dabei fanden die BKA-Spezialisten die Bauanleitung für die Kofferbomben.

¡Hola! Sie wurde also erst gespiegelt und dann rekonstruiert; es wurde – wirklich wider Erwarten Hal Fabers? – also nicht das fragliche Objekt direkt untersucht sondern erst einmal eine Kopie angelegt. Bin kein Forensiker, aber bei gehackten System soll man das meines Wissens genau so machen: Orginal als Beweis usw. aufheben und nur mit Kopien arbeiben, wo möglich …

Unter Verschwörungstheoriegesichtspunkten spannender erscheinen mir aber die weiteren Ausführungen:

Das BKA hatte die Festplatte [aus einem Laptop] vor wenigen Wochen von den libanesischen Behörden überreicht bekommen. […] Der nach dem Attentatsversuch in den Libanon geflohene Hamad hatte sich dort den Behörden gestellt, zuvor aber die Da ten seines Laptops gelöscht. Diese wurden nun von BKA-Forensikern wiederhergestellt. Hamad selbst hatte bereits […] erklärt, dass er Bombenbauanleitungen auf seinen Computer gespeichert hatte.

Hmm. Da kommt also in Deutschland eine angebliche Platte des Haupverdächtigen an, der zugegeben haben soll, »Bombenbauanleitungen auf seinen Computer gespeichert« zu haben, und nach »forensischer« Datenwiederherstellung (was wurde zur Löschung verwandt — "del"?) findet man nun also Bombenbauanleitungen? Sicher, kann alles so gewesen sein, aber komisch klingt das schon, oder?

Zusammen mit […] soll Hamad in seiner Kölner Wohnung tagelang das Internet nach geeigneten Bauanleitungen durchforstet und diese auf dem Laptop gespeichert haben.

Örks, das ist in unserem Land mittlerweile auch schon rechtswidrig, um nicht zu sagen strafbar? Augenscheinlich war der 11.09.2001, rückblickend betrachtet, ein voller Erfolg; der Wahn ob des »Kampfes gegen den Terror« mäht eine Freiheit nach der anderen nieder.

Zeitreise: Hat Helmut Kohl mittlerweile die damaligen Spender genannt, oder steht noch immer das »Ehrenwort« – das Wort »Ehre« in diesem Zusammenhang, das ist schon fast Ironie – über dem Grundgesetz?
Wir erinnern uns: »Helmut Kohl stellt das den anonymen Spendern gegebene Ehrenwort über das Gesetz. […] Kohl will sein Ehrenwort nicht brechen – der Eid, den er bei der Verpflichtung als Bundeskanzler geleistet hat, ist ihm da nicht so wichtig. Bei der Amtsübernahme schwor er, „dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflicht gewi ssenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde“.« Politik und Justiz, sind dies die sprichwörtlichen zwei Krähen?
Jedenfalls stimmt es nachdenklich, sich zu erinnern an die Zeit vor 2001, zu lesen über den ungesühnten und bis heute trotzig gelebten Bruch des Amtseides eines Bundeskanzlers, zu sinnieren über ein Bußgeld von 300.000 Mark — aber eben keine Bestrafung, noch mal zu rekapitulieren wie das war mit dem aktentechnischen Großreinemachen im Kanzleramt mit dem Ende der Ära Kohl.
Während also Volksvertreter ganz offensichtlich straflos Gesetze mißachten können, wird das Stimmvieh Volk mehr und mehr kriminalisiert und vorsorglich unter Generalverdacht und -überwachung gestellt? Den Eindruck kann man bekommen, aber ist ja alles ja nur wegen der Terrorabwehr (und der »Rechteinhaber« vulgo Musik- und Filmindustrie, die mangels Konzept für den Umgang mit den neuen Möglichkeiten diese vorzugsweise verdongelt (HD nur über verschlüsselte Signalwege) und/oder unbenutzbar macht (DRM)). Seufz, wer kann bei der Interessenlage noch guten Gewissens »Nein!« sagen?

Wie auch immer, diese »Kofferbomber« sind eigentlich von Polizei wie Politik gern gesehen, können sie doch gradezu hervorragend als Schreckgespenst dienen, zu dessen Niederstreckung der deutsche Mic hel gerne Speichel- und Spermaprobe beisteuert und auch sonst verständig nickt, wenn er weitere Einschränkungen seiner Freiheiten und seines intimen Lebensbereichs hinnehmen soll:

In einer Rede (PDF-Datei) vor dem 10. europäischen Polizeikongress in Berlin war BKA-Präsident Jörg Ziercke ausführlich auf den Fall der "Kofferbomber" eingegangen. Sie dienten Ziercke als Beispiel für die dringende Notwendigkeit von Online-Durchsuchungen verdächtiger Rechner. Die mutmaßlichen Täter hätten sowohl die Bombenbauanleitung wie ein islamisches "Rechtsgutachten" aus dem Internet kopiert, mit dem sie ihre Tat rechtfertigen wollten.

Ok, ich kann nicht mehr. Ich gestehe: ich habe einen Schulferienkalender aus dem Internet heruntergeladen und sogar ausgedruckt — bin ich nun auch eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung, muß ich bald mit Christian Klar mir den Flur teilen?

Ja: Gefahrenabwehr ist notwendig. Auch Prävention. Gewährleistet bleiben muß aber die Verhältnismäßigkeit – und da verlieren deutsche Politiker sich schon mal in Aktivismus. Wenn in Deutschland der Zugang so überwacht wird wie in China und so zensiert wie im Iran, was ist dann gewonnen, ja, wer hat dann gewonnen?

naechsten Freitag haben wir Gelegenheit drei Bundestagsabgeordneten der Linken auf den Zahn zu fühlen. Um 10:15 Uhr sind Inge Höger und Paul Schäfer an der Gedenkstätte Stukenbrock um mit Vertretern von Antikriegsgruppen zu sprechen.

Um 16:30 Uhr trifft sich Ulla Jelpke mit Vertretern antifaschistischer Gruppen in der Weberei. Am gleichen Tag um 19:30 Uhr berichtet Ulla auf der Veranstaltung „Hiergeblieben“ über Asyl- und Abschiebepolitk in NRW und der Region.

Ihr seid eingeladen!

Im Downloadbereich gibt es jetzt das neue Flugblatt der SDAJ zum Thema „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ als pdf.

Antifaschistische Kundgebung am Guetersloher Hauptbahnhof am 9.3.2007 um 16 Uhr.
Mit dieser Kundgebung wollen wir das immer haeufigere oeffentliche Auftreten von Faschisten in der Guetersloher Gesellschaft kritisieren und gleichzeitig die Oeffentlichkeit zu mehr Courage gegen den immer unertraeglicher werdenden Naziterror bewegen.
Nachdem unsere Innenstadt mit Nazi-Aufklebern zutapeziert wurde, die Vordertuer der Anne-Frank-Schule mit einem Hakenkreuz beschmiert wurde und einer ganzen Reihe von Grabschaendungen auf juedischen Friedhoefen in Schlangen, Obernkirchen und anderen Staedten haben sich die Nazis nun wieder einen haarstraeubenden Auftritt geleistet. Dies alles zwingt uns unweigerlich zum Handeln!

Fuer den 17.03.2007 rufen Neonazis aus dem Umfeld „freier Kameradschaften“ in Zusammenarbeit mit der NPD zum inzwischen vierten Mal innerhalb weniger Monate dazu auf, in Minden aufmarschieren zu wollen. Jedes Mal wurde ihr Aufmarsch vorzeitig abgebrochen oder von ihnen gar selbst abgesagt. Diese vergangenen Erfolge wollen wir wiederholen und rufen dazu auf, auch diesen Naziaufmarsch gemeinsam zu verhindern!

Alles weitere unter Mindenhttp://www.minden.tk/