The Coke side of Life
Gruppe Bielefeld, Mittwoch, 22. August 2007
Coca Cola – wohlwollender Arbeitgeber oder skrupellose Ausbeuter?
Eine Ausarbeitung der SDAJ Gruppe Bielefeld
Schaut man mal im Internet unter coca-cola-gmbh.de/unternehmensverantwortung nach, sieht die Antwort des Unternehmens folgendermaßen aus:
„Ein wichtiger Bestandteil unseres Selbstverständnisses als Unternehmen ist, auch Verantwortung für die Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten, zu übernehmen. Das bedeutet für uns, ein offenes Ohr für die Menschen und ihre Bedürfnisse zu haben und einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen zu leisten. Dabei sehen wir unseren Beitrag in vier wesentlichen Bereichen:
• Im Markt
• Als Arbeitgeber
• Engagement für unsere Umwelt
• Engagement vor Ort
Am Markt ist für uns international und national vorbildliches Geschäftsverhalten gegenüber Verbrauchern, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern eine Selbstverständlichkeit. Als Arbeitgeber fördern wir ein faires Arbeitsplatzklima und setzen uns für die Interessen unserer Mitarbeiter ein. In unserem unternehmerischen Handeln ist nachhaltiger Umweltschutz ebenso selbstverständlich wie der Dienst für die Gemeinschaft.“
So, die Selbstdarstellung von Coca Cola. Schauen wir nun, was für Geschichten uns die Wirklichkeit erzählt.
Werfen wir einen Blick nach Südamerika. In Carepa, einer kolumbianischen Stadt, steht eine Abfüllfirma von „Bebidas y Alimentos“, ein vom Coke Imperium abhängiges Tochterunternehmen. Vor einigen Jahren waren in jener Fabrik noch ungefähr 10000 Menschen beschäftigt, die durchschnittlich 600$ im Monat verdienten. Doch seit Anfang der Neunziger wurden gravierende Veränderungen durchgeführt. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter wurden entlassen oder auf so genannte Subunternehmen verteilt. Im einem Zuge wurden die Löhne von 600 auf 150$ gedrückt – was nie und nimmer ausreicht, um eine Familie zu ernähren! Jetzt kommt einem natürlich die Frage auf: Wie um alles in der Welt konnte es bloß so weit kommen? Hat denn die Gewerkschaft bloß tatenlos zugeschaut, während Arbeitnehmerrechte dermaßen brutal abgebaut wurden? Doch dem war nicht so. All diese Änderungen konnten nur durchgeführt werden, weil die zuständige Gewerkschaft, die linke SINALTRAINAL, zuvor von rechten Paramilitärs im Auftrage der Firmenleitung zerschlagen wurde. So wurden im Jahre 1994 fünf Gewerkschaftsfunktionäre von Paramilitärs hingerichtet, weil sie die Zustände in der Abfüllfirma anklagten. Dennoch regte sich Widerstand unter den Arbeiterinnen und Arbeitern. Als der Gewerkschaftsführer Isidro Segundo Gil dann aber am 5.12.1996 über jene Morde mit der Konzernführung verhandeln wollte, stürmten die rechten Paramilitärs das Fabrikgebäude und schossen Isidro Gil nieder. Kurz nach diesem Verbrechen versammelten die rechten Paramilitärs die komplette Belegschaft von „Bebidas y Alimentos“ und zwangen sie dazu, aus der Gewerkschaft auszutreten. Andernfalls würde ihnen dasselbe Schicksal wie Isidro Gil widerfahren. Ein Großteil der Arbeiterschaft unterschrieb auf Grund dieser Drohung. Andere flohen und wurden von den Konzernchefs durch unterbezahlte, befristete Arbeiter ohne Gewerkschaftszugehörigkeit ersetzt.Die besagten Austrittserklärungen trugen allesamt den Namen „Bebidas y Alimentos“. Die am vorherigen Tage ausgesprochenen Drohungen des Konzernchefs, die Gewerkschaften zu zerschlagen, bewahrheiteten sich also. Eine Zusammenarbeit zwischen Paramilitärs, Abfüllfirma und nicht zu letzt dem Coca Cola Imperium, welchem die billigeren Produktionsweisen sehr zu gute kamen, ist unübersehbar. Dennoch ist bis heute das Mutterunternehmen Coca Cola unbelastet durch die Justiz. Sieht so also die auf der Coke Internetseite beschworene Förderung von Arbeiterinteressen aus?
Doch Kolumbien ist nicht der einzige Ort in Südamerika, der unter den Machenschaften der Coke Company leidet. In Brasilien liegen riesige Orangenplantagen, von denen Coca Cola die Früchte für Produkte wie Fanta oder Minuite Maid bezieht. Auf diesen Plantagen arbeiten Arbeiterinnen und Arbeiter für gerade mal 12€ täglich. Dieser Lohn, wenn man ihn denn tatsächlich Lohn nennen kann, liegt 1/3 unter dem lokalen Existenzminimum, den man zur Ernährung einer Familie benötigt. Weil trotz Arbeit das Geld nicht für die einfachsten Grundbedürfnisse einer Familie reicht, müssen auch die Kinder unter harten Bedingungen auf den Orangenfeldern mit schuften. Dabei werden sie für ihr Leben geschädigt. Denn neben der Unmöglichkeit eines Schulbesuches, werden sie durch Antipestizide, die sie während der Arbeit einatmen, vergiftet. Wie die Zukunft dieser Kinder aussieht, kann sich jeder selber denken. Sie leiden, verlieren jegliche Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft und sterben, nur damit die Coke Company Produkte wie Fanta billig an den Mann, bzw. an die Frau bringen kann und sich somit ihr Umsatz erhöht. Diese über alle Maßen inakzeptablen Zustände müssen dringenst geändert werden. Doch Coca Cola bestreitet weiterhin felsenfest, Orangen aus Kinderarbeit zu beziehen. Wir wissen, dass die Realität anders aussieht.Nehmen wir nun einen kleinen Sprung auf der Landkarte vor und schauen nach Indien. Dort betreibt die Coke Company 50 Fabriken, eine davon in Plachimada. Bevor Cola kam, war Plachimada eine blühende, wasserreiche Gegend, in der die Bevölkerung vom Reisanbau lebte. Doch mit der Ankunft des „Globalplayers“ setzte auch die Veränderung ein. Dort, wo die Produktionshallen errichtet worden waren, begann man auch gleich mit der Produktion der braunen Brause. Für die Herstellung von 1l Cola benötigt man 9l Wasser. Eine Tagesproduktion in einer Cola-Fabrik verbraucht ungefähr 1.5 Mio. l Wasser. Dieses Wasser pumpte die Fabrik einfach aus dem Boden heraus – ohne auch nur einen müden Cent dafür zu bezahlen! Die Folgen dieser unglaublichen Wasserentwendung wurden sofort deutlich. Der Grundwasserspiegel fiel von 40 auf 150m. Die Brunnen der umher liegenden Dörfer vertrockneten und die gesamte Vegetation, und somit auch die Landwirtschaft, des ehemals blühenden Landes, brachen zusammen. Das wenige Wasser, das der Bevölkerung Plachimadas geblieben war, war durch die Cola Produktion verunreinigt und die Menschen wurden krank.
Die, die das meiste Leid auf den Schultern trugen, waren die Mädchen von Plachimada. Sie waren es, die ihren Müttern dabei helfen mussten, sauberes Wasser herbei zu tragen, wofür sie in etwa 12 Stunden benötigten. In der restlichen Zeit des Tages pflegten sie die Kranken. Für Schule war nun keine Zeit mehr.
Das Cola Imperium brach in dieses Fleckchen Erde ein, beutete es aus, bis nichts mehr zu holen war, und verschwand aus dieser Gegend, ohne auch nur für eine begangene Untat Verantwortung zu übernehmen. Nach den Berichten aus Indien wirkt der am Anfang zitierte Unternehmenstext wie ein Hohn! Oder will uns das Unternehmen wirklich weiß machen, dass „nachhaltiger Umweltschutz und gute Dienste für die Gemeinschaft“ heute eigentlich pure Umweltzerstörung und gewissenlose Zerstörung der Infrastruktur heißen?
Wie wir sehen, ist Coca Cola ein Unternehmen, das reichlich Dreck am Stecken hat. Raub, Drohung, Mord… all dieses sind Methoden, mit denen dieser weltweit agierende Konzern versucht seine Interessen durch zusetzen. Methoden, die selbst nach bürgerlichen Gesetzbüchern eindeutig illegal sind. Methoden, die Menschenrechts verletzend sind und deshalb geächtet werden sollten. Dennoch: Coca Cola sitzt vor keinem Gericht auf der Anklagebank und wird es im Rahmen unseres Systems auch niemals tun. Kein Wunder: In unserer Gesellschaft werden die Interessen der arbeitenden Masse niemals über die Bedürfnisse der Besitzenden gestellt… und mit 19.6 Mrd $ Umsatz (2002) gehört Coca Cola auf dem Weltmarkt zu den einflussreichstenund mächtigsten Firmen.
Wenn die Gerichte schon schweigen, ist es unsere Pflicht, nicht länger stumm zu bleiben. Sollen die Verbrechen des Coke Imperiums aufhören, müssen wir unsere Stimme erheben und STOPP sagen! Es liegt an uns, unsere Solidarität mit den Opfern zu bekunden, und vor allem in Aktionen und Boykotten zu beweisen. Am Ende lässt sich Cola zwar nur stoppen, wenn wir das herrschende System ändern. Doch jede weitergegebene Information an Unwissende, jede im Kaufhausregal stehen gebliebene Colaflasche ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. So boykottieren zum Beispiel bereits mehrere Unis in den USA den Cola Konzern. Auch in der Bundesrepublik machte sich nach der WM, wo Coca Cola Hauptsponsor war, eine Welle des Protestes breit.
Also steh auf und mach mit im Kampfe gegen ungerechte Löhne, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung!
Gütersloher - #1 - 22.08.2007 18:07 - (Antwort)
Danke, schöner Text, könnt ihr zu den Angegebenen Daten und Fakten noch Quellenangaben geben?
Alessia - #1.1.1 - 22.08.2007 20:42 - (Antwort)
Hey, tut mir leid! Beim ganzen Schreiben hab ich die Quellen ganz vergessen! Hier ein paar davon...
Quelle:
1. Das neue Schwarzbuch der Markenfirmen (Klaus Werner/Hans Weiss)
2. killerbrause.solid-brandenburg.de
3. "Zuckerlimonade und Frankensteinnahrung" ein Vortrag von Ellen Diederich
So, kann sein, das ich eins, zwei Quellen vergessen habe, aber das waren so die wesentlichen. Das nächste mal, verspreche ich gleich an die Quellen zu denken =)

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